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Sycorax

Anfänger

  • »Sycorax« ist weiblich
  • »Sycorax« wurde gesperrt

Beiträge: 35

Registrierungsdatum: 9. Januar 2014

61

Samstag, 11. Januar 2014, 11:48

Tja, Zweiterbass,
Verdi mag gläubig gewesen sein - das wird so genau wohl Niemand wissen - als scharfer Kritiker... kann er aber nicht religiös gewesen sein.
Reguiem - das trägt, nicht nur m. E., sehr deutlich opernhafte Züge.
das sehe ich absolut nicht. Ganz im Gegenteil. Luther war ein sehr scharfer Kritiker der katholischen Kirche - und dem kann wohl keiner nachsagen, nicht religiös gewesen zu sein.

Bei Verdi nehme ich auch an, dass er kein so scharfer Kritiker der Kirche gewesen wäre, wenn sie ihm nicht so wichtig gewesen wäre. Und wenn ich an das Requiem und die Quattro pezzi sacri denke ... also, um auf einen anderen Thread zurück zu kommen: Ich glaube nicht, dass man gläubig sein muss, um ein geistliiches Werk zu interpretieren. Aber um eines zu schreiben, wohl schon ...

Sycorax
"Und warum sollte man geistliche Werke schreiben, wenn man Agnostiker ist?"

Strano Sognator

Prägender Forenuser

  • »Strano Sognator« ist weiblich

Beiträge: 1 135

Registrierungsdatum: 12. Dezember 2011

62

Samstag, 11. Januar 2014, 13:53

Tja, Zweiterbass,
Verdi mag gläubig gewesen sein - das wird so genau wohl Niemand wissen - als scharfer Kritiker... kann er aber nicht religiös gewesen sein.
Reguiem - das trägt, nicht nur m. E., sehr deutlich opernhafte Züge.
das sehe ich absolut nicht. Ganz im Gegenteil. Luther war ein sehr scharfer Kritiker der katholischen Kirche - und dem kann wohl keiner nachsagen, nicht religiös gewesen zu sein.

Bei Verdi nehme ich auch an, dass er kein so scharfer Kritiker der Kirche gewesen wäre, wenn sie ihm nicht so wichtig gewesen wäre. Und wenn ich an das Requiem und die Quattro pezzi sacri denke ... also, um auf einen anderen Thread zurück zu kommen: Ich glaube nicht, dass man gläubig sein muss, um ein geistliiches Werk zu interpretieren. Aber um eines zu schreiben, wohl schon ...

Sycorax
"Und warum sollte man geistliche Werke schreiben, wenn man Agnostiker ist?"



Verdi war - genauo wie der von ihm hochgeschätzte und bewunderte Alessandro Manzoni - ein scharfer Kirchenkritiker und hatte mit Sicherheit seine eigene Auffassung von Religiosität. Nach all dem Leid, das er in seinen noch jungen Jahren erfahren musste, war er ebenso jemand, dem die kirchenübliche Antwort auf die Frage nach dem Warum des Leidens nicht genügte und der - anders als seine Frau Giuseppina Strepponi - den Glauben im herkömmlichen Sinne nicht praktizierte. Es wäre aber bei weitem zu kurz gegriffen, wenn man ihn schlicht und einfach zum Atheisten oder auch nur Agnostiker erklären würde. Dazu hat er sich nicht nur in seinen Briefen, sondern auch in seinen Werken immer wieder zu stark mit der Religion auseinandergesetzt. Gerade in der Forza wird ja auch deutlich, wie sehr die Kirche mit ihren "Universallösungen" versagt. Leonora glaubt, durch strenge Buße und einem Leben als Eremitin ihre "Schuld" sühnen zu können und erkennt in der großartigen Pace-Arie, dass genau dies ein Irrtum war, da ihre "Schuld" darin bestanden hatte, Alvaro zu lieben, was in ihrem Umfeld und ihrer Familie zwar als Vergehen betrachtet wird, aber faktisch alles andere als dies ist.

Zitat

Come il dì primo
Da tant'anni dura
Profondo il mio soffrir.


"Der Schmerz ist so tief wie am ersten Tag, obgleich so viele Jahre dahingegangen sind."

Zitat

L'amai, gli è ver!
Ma di beltà e valore
Cotanto Iddio l'ornò.
Che l'amo ancor.
Né togliermi dal core
L'immagin sua saprò.


"Ja, es ist wahr, ich liebte ihn! Aber Gott machte ihn so schön und wertvoll, dass ich ihn noch heute liebe, und sein Bild auch niemals aus meinem Herzen veschwinden kann."

Interessant ist, dass sie erkannt hat, dass ihre Liebe ewig ist und dies nicht mehr als "Vergehen" betrachtet, sondern die Geschehnisse der letzten Jahre als Folge tragischer Entwicklungen sieht.

Zitat

Oh Dio, Dio, fa ch'io muoia;
Che la calma può darmi morte sol.


Sie bittet Gott demzufolge auch nicht um Vergebung (wofür auch ?), sondern um den Tod, damit sie den ersehnten Frieden finden kann.
"Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

Herbert Henn

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  • »Herbert Henn« ist männlich

Beiträge: 2 889

Registrierungsdatum: 24. März 2006

63

Samstag, 11. Januar 2014, 14:11

Man sollte aber auch nicht vergessen, dass die Libretti nicht von Verdi geschrieben wurden.
Die russische Fassung der Uraufführung schrieb Francesco Maria Piave,
und die Fassung der italienischen Erstaufführung stammte von Antonio Ghislanzoni.

:hello: Herbert
Tutto nel mondo è burla.

zweiterbass

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  • »zweiterbass« ist männlich

Beiträge: 4 169

Registrierungsdatum: 2. Juni 2010

64

Samstag, 11. Januar 2014, 15:55

Danke für die Stellungnahmen - allerdings unterscheide ich streng (und m. E. auch viele Menschen, früher wie jetzt) zwischen Religion und Glauben.

Viele Grüße
zweiterbass
Wer die Musik sich erkiest, hat ein himmlisch Gut bekommen (gewonnen)... Eduard Mörike/Hugo Distler

Strano Sognator

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  • »Strano Sognator« ist weiblich

Beiträge: 1 135

Registrierungsdatum: 12. Dezember 2011

65

Samstag, 11. Januar 2014, 18:34

Man sollte aber auch nicht vergessen, dass die Libretti nicht von Verdi geschrieben wurden.
Die russische Fassung der Uraufführung schrieb Francesco Maria Piave,
und die Fassung der italienischen Erstaufführung stammte von Antonio Ghislanzoni.

:hello: Herbert


Richtig, trotzdem hat Verdi nichts vertont, was ihm nicht gepasst hätte.
"Tatsachen sind die wilden Bestien im intellektuellen Gelände." (Oliver Wendell Holmes, 1809-94)

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 8 065

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

66

Samstag, 11. Januar 2014, 18:50

Und sogar (in zunehmendem Maße) massiven Einfluss auf seine Librettisten genommen, bis hin zu sehr konkreten Vorgaben im Detail, die etwa ein Ghislanzoni dann eins zu eins in das "Aida"-Textbuch hat einfließen lassen.

Kurios ist der Fall beim "Trovatore": Cammarano wollte das Krude und Wirre der literarischen Vorlage, also des Guitiérres-Schauspiels, ausmerzen, aber Verdi bestand darauf, dass dieser "abenteuerliche" Charakter der Handlung so erhalten bleibt, wie er auch im erfolgreichen, also vielgespielte Schauspiel wirkte.
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

Inhalten aller Art in Beiträgen anderer in diesem Forum stimme ich hier ausdrücklich nur dann zu, wenn ich ihnen in Antwortbeiträgen ausdrücklich zustimme! ;)

Herbert Henn

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  • »Herbert Henn« ist männlich

Beiträge: 2 889

Registrierungsdatum: 24. März 2006

67

Samstag, 11. Januar 2014, 18:53

Liebe Strano Sognator,
das ist ein Irrtum.
Die meisten Werke Verdiis waren Auftragskompositionen.
Auch z.B. in Don Carlo sind religiöse Praktiken der Katholiken enthallten.
In Aida sind religiöse Themen der Ägypter enthalten.
In Nabucco sind sind religiöse Themen der Israeliten enthalten.
In Otello sind religiöse Gebete der Christen enthalten. u,s,w.

:hello: Herbert
Tutto nel mondo è burla.

Stimmenliebhaber

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  • »Stimmenliebhaber« ist männlich

Beiträge: 8 065

Registrierungsdatum: 3. Dezember 2012

68

Samstag, 11. Januar 2014, 18:59

Liebe Strano Sognator,
das ist ein Irrtum.
Die meisten Werke Verdiis waren Auftragskompositionen.
Auch z.B. in Don Carlo sind religiöse Praktiken der Katholiken enthallten.
In Aida sind religiöse Themen der Ägypter enthalten.
In Nabucco sind sind religiöse Themen der Israeliten enthalten.
In Otello sind religiöse Gebete der Christen enthalten. u,s,w.

:hello: Herbert
Ja, und der "Irrtum" ist meines Erachtens, zu denken, dass ihm diese religiösen Themen nicht "gepasst" hätten. Verdis Verhältnis zu Religion war eine Art Hass-Liebe, die eben aus beidem besteht: aus Hass wie aus Liebe. :)
Beste Grüße vom "Stimmenliebhaber"

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