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dr.pingel

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Dienstag, 27. Dezember 2016, 20:51

Oratorium der Tausend von Bach

Nun, tausend waren es vielleicht nicht, die mitgemacht haben beim "Weihnachtsoratorium zum Mitsingen" gestern in der Essener Philharmonie. Man erwirbt eine Karte (auch, wenn man mitsingt, kostet sie 21 Euro), dann wird man ins Parkett verfrachtet, wo die vier Stimmgruppen ihre eigenen Plätze haben. Wer nur zuhört, sitzt hinten oder oben. Ich habe das Weihnachtsoratorium zuletzt im Jahr 2006 in Xanten gesungen. Nach 10 Jahren konnte ich alles noch zu 90% fehlerfrei singen, selbst die schwierigen Chöre 1 (Jauchzet, frohlocket) und 21 (Ehre sei Gott). Um 17.00 gab es eine Probe aller Choräle und Chöre, was gut klappte. Nun muss man auch sagen, wer das Weihnachtsoratorium nicht drauf hat, soll auch wegbleiben.
Zusammen mit dem hervorragenden Orchester (eine tolle junge Frau spielte die 1. Trompete. Ich warte jetzt nur noch auf die erste Frau, die die Pauke spielt) und den sehr guten Solisten und einem bestens aufgelegten großen Chor, der niemals brüllte, war es ein ganz wunderbares Konzert.
Seit langer Zeit war ich mal wieder in der Essener Philharmonie. Köln, Düsseldorf, Dortmund, Duisburg kenne ich auch, aber es gibt ja noch ein paar mehr Konzerthäuser mehr. Ich denke, dass diese Bauten die Paläste und Kathedralen der Religion des Bürgertums sind, nämlich der Musik. Ich jedenfalls bin sehr einverstanden damit, vor allem, wenn man dazu bedenkt, dass Schopenhauer die "Architektur als gefrorene Musik" bezeichnet hat.
Ihr absolviert diese Stelle wie ein Intercity auf einer schwer zu nehmenden Weiche (mein verstorbener Chordirigent Johannes Glauber aus Essen)

William B.A.

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2

Dienstag, 27. Dezember 2016, 21:49

Zitat

dr. pingel: (Ich warte jetzt nur noch auf die erste Frau, die die Pauke spielt)

ich glaube lieber dottore, da hast du etwas verpasst. Ich habe vor Jahren, als hier im Forum ganz begeistert die Beethoven-Gesamt-Aufnahme von "La Chambre Philharmonique" unter Emmanuel Krivine angepriesen wurde, diese Box angeschafft:



Damals, vor ca. 5 Jahren habe ich nach meiner eigenen Erinnerung alle Aufnahmen besprochen, allerdings, wenn ich mich recht entsinne, im Thread "Was hört ihr gerade jetzt?", und ich glaube nicht, dass man sie noch irgendwo aufrufen kann. Der langen Rede kurzer Sinn: am besten an der ganzen GA hat mir die Solopaukistin gefallen, Aline Potin-Guirao:



Und hier kannst du sie in Aktion sehen (etwa ab Minute 4:10):



Und auf dem Standbild ist sie auch schon zu sehen, im Vordergrund rechts)


Liebe Grüße

Willi :D
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

dr.pingel

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Dienstag, 27. Dezember 2016, 22:12

Tatsächlich! Schade, dass sie nur so kurz erscheint!
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William B.A.

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Dienstag, 27. Dezember 2016, 22:26

Dann habe ich hier noch etwas für dich, lieber dottore, hier erscheint sie gleich in der ersten Minute:



Liebe Grüße

Willi :)
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dr.pingel

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Mittwoch, 28. Dezember 2016, 11:39

Danke, lieber Willi. Sie macht in der Tat eine gute Figur. Was mich irritiert, sind die Klöppel. Die normalen Klöppel sind doch größer und erzeugen auch mehr "Krach".
Früher wollte ich ja immer Lokomotivführer werden, dann kam die Zeit, da wollte ich Sänger bei den "King´s Singers" oder "The Sixteen" werden. Jetzt, im Alter, wäre ich gerne Pauker, und zwar nicht der, der ich war, sondern in einem guten Sinfonieorchester. Von Janacek wird erzählt, dass er und seine Freunde in seinen Jugendjahren für eine kleine Aufführung aus dem Nachbardorf eine Pauke entführt und nachher wieder zurückgebracht haben. Mir ist es von Anfang an aufgefallen, welche zentrale Rolle die Pauke in allen seinen Werken (außer den beiden Streichquartetten 8-)) spielt. Grandios auch die beiden Pauken am Ende von Mahlers 3. Sinfonie, wobei ich immer staune, wie genau die Pauker die Schläge zusammenbringen.
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William B.A.

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Mittwoch, 28. Dezember 2016, 14:55

Ich glaube, lieber dottore, die kleinen Klöppel, teilweise aus schierem Holz, findet man vorwiegend bei Originalklang-Orchestern. Mi ihrem hellen, scharfen Klang treten sie deutlicher aus dem Gesamtklang hervor und kommen von den alten Klangmustern einer diffusen Rhythmus-Untermalung weg, hin zu einem deutlichen, führenden Pulsschlag der Musik. Ich habe das auch sehr bewundert bei dem Solopuankisten der Deutschen Kammphilharmonie Bremen, Stephan Rapp, seit ich die Gesamtaufnhaem der Beethoven-Symphonien auf DVD habe. Ungeführ gleichzeitig lernte ich auch Madame Potin-Guirao kennen.
Letztlich begeisterte mich jedoch zu allererst vor vielen Jahren diese Aufnahme:


und wie, womit wir wieder beim Thema wären. Solch einen Chor, wie die Nr. 24 zu Beginn des dritten Teils: "Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen", in der Interpretation Harnoncourts aus dem November 1981 in der Stiftskirche Waldsassen, wird es m. E. nie wieder geben. Da bläst es dich in der ff-Wiederholung regelrecht vom Hocker. Das habe ich nie wieder so gehört, und ich konnte unseren Dirigenten davon überzeugen, dass wir die Stelle so ähnlich intepretieren sollten, was uns auch in etwa gelungen ist. Seite meiner ersten Begegnung vor 35 Jahren mit dieser Aufnahme ist dieser Chor mein Liueblingschor:

(beginnt bei 56:44)

Ich hatte die Aufnahme noch am Bluray-Player liegen, da ich sie jedes Jahr zu Weihnachten höre.

Liebe Grüße

Willi :)
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Donnerstag, 29. Dezember 2016, 13:25

Danke, lieber William, ich hatte mir das schon gedacht; und deine Beschreibung der Funktion dieser Art Klöppel ist ja auch schlüssig. Mit der Harnoncourt-Aufnahme kann ich mich leider überhaupt nicht anfreunden. Das liegt vor allem daran, dass ich Knabenchöre nicht mag und Knabensolisten noch weniger. Aber das sind unsere unterschiedlich geprägten Erfahrungen, das lassen wir einfach so stehen. Allerdings muss ich dir zugestehen, dass doch der 24 bei Harnoncourt eine besondere Kraft hat.
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