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Damiro

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Beiträge: 320

Registrierungsdatum: 13. Dezember 2017

1

Freitag, 19. Januar 2018, 15:34

Martin Helmchen in der Liederhalle - sehr schöne Programmgestalltung

Hätte ich nicht das Brahms- Stück, welches als bekannte (dritte) Zugabe erklungen ist, noch in meinen CD- Beständen hören- suchen wollen, wäre mein Post schon am Mittwoch abend nach dem Konzert hier zu lesen gewesen. Aber wegen der Vollständigkeit wollte ich die Zugabe genau identifizieren. Und heute erschien eine lesenswerte Kritik in der Stuttgarter Zeitung (lt. Kollegin auch in der deren Online Ausgabe).

Um es kurz zu machen: das Publikum - leider nicht besonders zahlreich vertreten (Meisterpianistenkonzert einer Zehnerreihe durch die Saison 2017/2018) - spendete langanhaltenden Beifall nach diesen zwei Blöcken von abwechslungsreicher Klaviermusik plus drei Zugaben (Schumann: Vogel als Prophet, Mendelsohn Prelude, und eben Brahms xxx!).

Helmchen wird genau dieses Programm morgen in Paris, am kommenden Montag in Amsterdam spielen, und Mitte Februar in Berlin !

Die Daten sind hier: http://www.martin-helmchen.de/#termine



Nun also, was für ein Programm ?

es waren die acht Novelletten aus Robert Schumanns frühem Schaffenszyklus, in dem von op. 1 bis op. 27 fast alles für Solo Klavier komponiert war und die Beziehung zu Clara Wieck sich noch im vorehelichen Zustand entwickelt hatte. Nach jeder Novellette folgte ein anderes Stück von einem anderen Komponisten: das erste von Clara Wieck, als zweites die Klavierstücke op. 19 von Schönberg, drittens die Sarabande aus der 4. Partita von J.S. Bach usw..... (Details auf der Homepage von M.H. s.o.).
Die Novelletten sind selbst für den geneigte Schumannhörer ein richtig schwerer Brocken (ich besitze eine etwas basslastige, sonst sehr gute LP von Phillips mit Claudio Arrau), man kann sich leicht erschlagen fühlen nach der letzten Rille ! Wohl deshab selten im Konzertsaal zu hören.
Sehr interessant, dass im Programmheft diese Art der Abfolge nicht mit einem Wort erwähnt war, was unsere Phantasie um so mehr anrührte. War das Wieck`sche Stück noch sehr poetisch und fast einfach zu nennen, so waren die Schönberg - Ministückchen - kaum waren Forte und Fortissimo der zweiten Novellette verklungen - einzelne Farbtupfer nach leicht durchschaubarem "Plan" oder "Muster". Man wurde daran erinnert, dass Musik mit einem einzigen (leisen) Ton beginnen / erklingen kann und darf. Das im Kontrast zur den vorigen Schumann`schen Spielbezeichnungen "Äusserst rasch und mit Bravour", oder später"Ballmässig. Sehr munter" und noch mehr "Rauschend und festlich".

kleine Unterbrechung.

Damiro

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Beiträge: 320

Registrierungsdatum: 13. Dezember 2017

2

Freitag, 19. Januar 2018, 17:08

Fortsetzung M. Helmchen

Weiter nach der Novellette mit der Spielanweisung "Leicht und mit Humor" ging es mit einer unglaublich erzählenden und klangdifferenzierenden Sarabande aus der 4. Partita von J.S. Bach.

Nach der Pause folgte die Nov. mit der Charakterisierung "Rauschend und festlich" ein anderes, mehrere Sekunden lang anhaltendes hochfrequentes "Rauschen" im Diskant des Flügels. So können Fünftausend Stare klingen, wenn sie in eine Gruppe von Pappeln zur Landung einfliegen (ist von mir kolportiert ;) ). Auch im Verlauf des 8. von "Vingt Regards sur l`Enfant Jesus" von Olivier Messiaen könnte man Unterhaltung zwischen grösseren oder kleineren Vögeln assoziieren. Jedoch ist Messiaen nie lautmalerisch oder gar programmatisch, es ist einfach nur Musik zum Hineinhören und Sich konzentrieren, Eigenschaften, die uns unsere lärmige Gesellschaft partout abgewöhnnen will. Um Messiaen kennenzulernen, sollte man seine Stücke für Orgel hören, dann die Klavierstücke erforschen. Dafür ist jedes Buch und Programmheft unnötig. Vielleicht aber nützlich ?! Der Abschluss ist wieder Diskantrauschen, "die Vögel fliegen weiter..."

Dann Chopin- Walzer a- moll, op. 34/2, ein grossartiges Stück mit chopin- typischen Melodiebögen, deren Ausdruck so oft etwas Gebrochenes oder Abbrechendes hat, und das in perfekter Form und Länge.

Vor der letzten und mächtigsten Novellette erklangen zwei späte Werke von Liszt, welche irgendwie abstrakt und nahezu atonal klangen. Z.Tl. kaum mehr als "gewohnte" Liszt- Werke erlebbar.

Ungeheuer kontrastierend dann der Konzertabschluss mit der riesigen 8. und letzten Novellette. Schumann holt aus und schwingt sich auf, wie ein starker junger Mann nur zur Sache gehen mag, wenn er das Leben, die Welt und noch die passende Frau für sich haben will (s.o. ;) )

***********

Martin Helmchen spielte sich nach anfangs eher vorsichtigem Zugriff nach und nach frei, überzeugte dann schliesslich ohne hörbare falsche Noten. Und genoss am Ende den herzlichen Beifall. :thumbsup:

Freundlichen Gruss
vom Damiro