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William B.A.

Erleuchteter

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Registrierungsdatum: 6. Oktober 2010

1

Donnerstag, 22. Februar 2018, 00:18

Beethoven Orchester Bonn im Konzertheater Coesfeld, 21. 2. 2018

Manchmal kommt man zu einer Konzertkarte wie die Jungfrau zum Kind.
In einem Gespräch am vergangenen Sonntag teilte mir ein Sangesfreund nach dem Choralamt zum 1. Fastensonntag mit, dass er am Miittwoch zuvor sich auf ein Sinfoniekonzert in unserem Konzerttheater mit o. a. Orchester gefreut habe, und als er dann mit seiner Frau am Theater angekommen sei, sei dort nichts los gewesen, und so hätten sie ihre Karten erstmal in Augenschein genommen, und da hätte sich herausgestellt, dass das Konzert genau eine Woche später stattfände, also heute. Ich hatte ursprünglich auch dieses Konzert buchen wollen, habe aber davon Abstand genommen, wel sich dies mit meinem geplanten Langzeiturlaub gekreuzt hätte. Da ich aber in der Zwischenzeit aus anderen Gründen diesen Urlaub gecancelt hatte, nahm ich das Angebot an, eine Karte zum Nulltarif von ihm zu bekommen. Ich habe es nicht bereut. Folgende Musiker waren an folgendem Programm beiteiligt:

Ludwig van Beehoven: Leonorenouvertüre Nr.. 3 op. 72 a
Franz Liszt, Klavierkonzert Nr. 2 A-dur
Robert Schumann, Sinfonie Nr. 1 B-dur op. 38 "Frühlingssinfonie"

Beethoven Orchester Bonn
Joseph Moog, Klavier
Dirk Kaftan, Leitung


Das Beethoven Orchester trat schon bei der Leonorenouvertüre in gehöriger Besetzung auf, mit 4 Hörnern, 2 Trompeten, 3 Posaunen, 16 Geigen, 12 Bratschen, 6 Celli und 4 Kontrabässen sowie Pauke (wenn ich richtig gezählt habe), aber ich hatte hinten einen guten Überblick und konnte trotz des relativ großen Abstands zum Podium hervorragend hören dank der ausgezeichneten Akustik des Konzertheaters:

Viel Holz, raffineirt verarbeitet, viel Klang!

Es war das erste Mal, dass ich das Beethoven Orchester live hörte, es wird nicht das letzte Mal sein. Das Orchester bestach schon bei der Leonoren-Ouvertüre durch homogenen Streicherklang, einen bravourösen Paukisten, waghalsige Hornisten und eine bravourösen Solo-Flötistin (leider habe ich keine Abbildungen gefunden).
Seit dieser Spielzeit hat das Orchester einen neuen Chefdirigenten, Dirk Kaftan:

der durch einen sehr extrovertierten, kraftraubenden Dirigierstil auffiel, sein Orchester unaufhörlich antrieb. Das ist sicher nach dem Geschmack unseres lieben Taminos Wolfgang (Teleton) aus der Nähe von Bonn, für den das Beethoven Orchester sicher so etwas wie ein Hausorchester sein dürfte und der ein großer Freund solcher atemberaubenden Tempi ist, die Kaftan heute vorlegt. So ist ihm ein langes Accelerando in der Coda der Leonorenouvertüre nicht fremd, und so, wie das Orchester ihm folgte, machte das Ganze auch großen Effekt. Bei der Ouvertüre spielte der Signaltrompter natürlich außerhalb des Konzertsaals. Auch er spielte sehr waghalsig.
Nach dieser grandiosen Ouvertüre, die ich Kaftans Lesart nur gut 13 Minuten dauerte, folgte Liszts zweites Klavierkonzert, am Flügel Joseph Moog:

den ich auch zum ersten Mal live erlebte. Auch er, der ungeheures virtuoses Potential hat, wird nicht zum letzten Mal meinen Weg gekreuzt haben. Er glänzte mit dem Liszt-Konzert, das aus vier miteinander verbundenen Sätzen besteht, in denen der Solist sein ganzes Können zeigen kann, was bei einem der größten Virtuosen aller Zeiten am Klavier schon fast logisch ist, wenn er so ein Konzert als Komponist vorlegt (gut 20 Minuten Dauer)..
Auch hier llief das Stück, wie schon die Leonorenouvertüre, in einer atemberaubenden Coda aus.
Jospeh Moog gab dann noch eine veritable Zugabe, aus den Études-Tableaux op. 33, wenn ich nicht irre, die Nr. 7 in g-moll, ebenso gekonnt wie vorher das Liszt-Konzert.

Nach der Pause gab es dann Schumann, die Symphonie Nr. 1. Bei Schumann waren dann wie vorher bei Beethoven wieder 4 Hörner aufgeboten, nachdem es bei Liszt nur zwei waren, wofür aber ein Basstubist und ein leibhaftiger "Triangelist" einsprangen. Erstaunlicherweise dirigierte Dirk Kaftan den Schumann nicht als Ritt auf der Rasierklinge, sondern kostete das Larghetto durchaus aus und nahm auch im Finale die Satzbezeichnung "Allegro animato e grazioso" durchaus ernst, um aber dennoch auch hier eine mitreißende Coda zu dirigieren.
Das alles hatte ihn aber doch so mitgenommen, dass er sich außerstande sah, noch eine Zugabe zu geben (oder reichte die Gage nicht?)

Liebe Grüße

Willi :)
1. "Das Notwendigste, das Härteste und die Hauptsache in der Musik ist das Tempo". (Wolfgang Amadeus Mozart).
2. "Es gibt nur ein Tempo, und das ist das richtige". (Wilhelm Furtwängler).

teleton

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2

Donnerstag, 22. Februar 2018, 10:52

Beethoven Orchster Bonn

Lieber Willi,

Danke für deinen schönen Bericht Deines Konzerterlebnisses in Coesfeld.
Ich glaube ich sollte in Bonn mal wieder öfter ins Konzert gehen. Nur im Moment wird das nix, da die Beethovenbhalle bis mindestens bis Ende 2019 im Umbau ist (nachdem der ursprünglich geplante Neubau ja keinen Zuspruch mehr hatte ... nun wird der Umbau fast soviel verschlingen, wie für den Neubau veranschlagt war, weil im Tiefgeschoss unerwartete Schwierigkeiten aufgetauscht sind, die einer langen Untersuchung bedürfen).

Den neuen Chef unseres Beethoven Orchsters Bonn Dirk Karftan kenne ich noch gar nicht. 8o Den werde ich jetzt nach Deinem Beitrag im Auge behalten.

Das Beethoven Orchester Bonn kenne ich schon seit über 30 Jahren aus unendlich vielen Konzerten (früher war ich auch mal im Abbo) als ein wirkliches Spitzenensembe. Dabei habe ich mich immer gefragt, warum die nicht mehr aus sich machen und auch auf CD verbreitet werden. Da gibts es nur einige wenige CD-Aufnahmen, die ich als eher nicht so wichtig empfinde, schon deshalb, weil ich von dem vorhandenen Repertoire besser eingedeckt bin.
Gruß aus Bonn, Wolfgang

William B.A.

Erleuchteter

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3

Donnerstag, 22. Februar 2018, 14:18

Zitat

teleton: Ich glaube ich sollte in Bonn mal wieder öfter ins Konzert gehen. Nur im Moment wird das nix, da die Beethovenhalle bis mindestens bis Ende 2019 im Umbau ist..

Hauptsache, der Umbau ist eher fertig, lieber Wolfgang,

als der Berliner Flughafen, die Kölner Oper, der neue Münchner Konzertbau und und und ...
Ich ahtte iegentlich vor, in diesem Jahr mal wieder zum Bonner Beethovenfest zu fahren. Mal schaun, was damit ist... :D ?(

Liebe Grüße

Willi :)
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La Roche

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4

Donnerstag, 22. Februar 2018, 15:35

Hallo, obwohl geographisch nicht unbeleckt, mußte ich erst einmal nachsehen, wo Coesfeld überhaupt liegt. Jetzt weiß ich es. Ich hatte Koesfeld im Gedächtnis, mit "C" nicht auf dem Radar.

Herzlichen Glückwunsch zu dem herrlichen Konzertsaal. Nicht alltäglich für einen Ort mit knapp 40000 EW!!. Aber immerhin kommen wohl tolle Orchester und Solisten zu euch und machen Spitzenprogramme.

Da ist mein Heimatort mit 100000 EW und einem wunderschönen klassizistischem Konzertsaal schlechter dran. Gastspiele namhafter Orchester finden nicht mehr statt, das letzte war das MDR-Sinfonieorchester etwa 2005 (immerhin mit Helene Grimaud, Ravel KK), seitdem keine Gastorchester mehr. Schade. Immerhin haben wir noch ein eigenes B-Orchester. Aber ein Vergleich lohnt eigentlich immer.

Ich wünsche Dir weiter schöne Konzerte in Coesfeld.

Herzlichst La Roche
Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.


William B.A.

Erleuchteter

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5

Donnerstag, 22. Februar 2018, 19:21

Zitat

La Roche: Herzlichen Glückwunsch zu dem herrlichen Konzertsaal.


Lieber La Roche. Mit dem Konzertsaal hat es eine besondere Bewandnis. Städtiischerseits wäre dieser Saal bestimmt nicht entstanden, dann hätten (vielleicht) weiterhin jährlich sechs Konzerte in der renovierungsbedürftigen Stadthalle stattgefunden, wo die Stadt sich ja sogar außerstande sah, am Schluss einen angemessenen Zuschuss zur Durchführung dieser Konzerte beizusteuern, die in der Trägerschaft des Kleinen Konzertrings Coesfeld stattfanden. Nun hatte Coesfeld, besser gesagt, Lette, mein damaliger Wohnort, einen finanziell potenten Mitbürger, Kurt Ernsting, der schon jahrelang auf seinem Hof Klavierabende veranstaltete. Dort traten Größen wie Gerhard Oppitz, Bruno Leonardo Gelber, Olli Mustonen, Alfredo Perl und Till Fellner, um nur Einige zu nennen, vor maximal 140 Zuschauern auf, zu einem Eintrittspreis, für den du heute vielleicht eine Kinokarte bekommst oder einen Stehplatz bei RB Leipzig.
Wie dem auch sei, Kurt Ernsting sah der kulturellen "Misssituation" nicht länge zu und baute dieses Konzerttheater:

das einen namhaften achtstelligen Betrag kostete und in dem seit 10 1/2 Jahren Opern, Operetten, Musicals, Schauspiele, Chorwerke, Liederabende,, Kaberettveranstaltungen, literarische Lesungen und auch kulturelle Veranstaltungen heimischer Vereine und Gruppen stattfinden. Wir selbst haben im September 2007 mit den beiden Chören, in denen ich singe, die erste volle Spielzeit in zwei Konzerten samstags und sonntags mit der "Carmina burana" eröffnet, und vor zweieinhalb Wochen haben wir Haydns Schöpfung aufgeführt, allerdings nicht im Konzerttheater, sondern in der Kirche (ich berichtete darüber).
Damit das alles immer weiter läuft, hat der pfiffige Kurt Ernsting vor vielen Jahren eine Stiftung gegründet, die er so aufgebaut hat, dass die Geschichte nicht in finanzielle Not gerät. Er selbst ist vor über sechs Jahren gestorben, aber "der Laden" läuft weiter wie geschmiert. Auch gestern Abend waren nur wenige Plätze frei geblieben.

So, jetzt geht es zur Chorprobe.

Liebe Grüße

Willi :)

P.S. : Vielleicht gibt es ja in deiner Umgebung auch ein Textilgeschäft "Ernstings Family". Das ist die Grundlage. :D
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Dr. Holger Kaletha

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6

Freitag, 23. Februar 2018, 09:10

Lieber Willi,

ich wusste ja gar nicht, was Ihr in Coesfeld für einen tollen Konzertsaal habt! Da seid Ihr ja besser dran als die Münsteraner, die im Theater spielen müssen, das für Konzerte akustisch nicht so ideal ist! Da hast Du auch noch schöne Erlebnisse dur Dein Singen! Ein schönes Konzert. (Ich bin heute leider außer Gefecht mit Fieber!) :hello:

Schöne Grüße
Holger

La Roche

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Registrierungsdatum: 21. Februar 2012

7

Freitag, 23. Februar 2018, 10:09

P.S. : Vielleicht gibt es ja in deiner Umgebung auch ein Textilgeschäft "Ernstings Family". Das ist die Grundlage
Lieber Willi, vielen Dank für die Information. Geld kann also auch Vorteile bringen.

Ernstling gibt es auch in Gera, nun weiß ich, wo der Mann herkommt und was für tolle Sachen er gemacht hat, zum Wohle aller.

Herzlichst La Roche
Musik ist eine heilige Kunst - Hugo von Hofmannsthal. Aussage des Komponisten aus der Oper "Ariadne auf Naxos" mit der Musik von Richard Strauss.